A mix between dokumentation and art

Nordschweden-2003-2008

Mich verbindet viel mit dem Fjäll rund um das Dorf Abisko.
Es hat eine ganz eigene Dynamik und Atmosphäre, wenn die unendliche Weite vor dir liegt und ein Rucksack mit 25-30 kg auf dir.
25-30 kg die zwar schwer auf den Schultern lasten, aber pro Tag ca. 800 g leichter werden. Nach drei bis vier Tagen der Quälerei, hat sich der Körper an die Last gewöhnt und wird von Tag zu Tag kräftiger. Sich an die Tagesetappen von 20 bis 30 Kilometern zu gewöhnen, fällt etwas leichter.
Willkommen im Norden!
Wo die Natur die erduldeten Qualen mit Weitblick, totaler Stille und reinem Wasser belohnt. Im Norden, wo winzige weisse Löcher im Himmel zu einem sonnigen Tag werden können.



Der Startpunkt war immer derselbe.
Die Abisko Fjällstation.
Die Landkarte ebenso. BD6 Abisko-Kebnekaise-Narvik, Lantmäteriets Fjällkarta.
Massstab 1:100 000, 82 Gramm.
82 Gramm?
Genau, 82 Gramm. Alles wird gewogen, denn jedes Gramm weniger zählt.
Im Gegensatz zu den Kalorien. Jede Kalorie zählt, je mehr, desto besser!
Und Fett!
Unser Inneres lebt noch in der Steinzeit.
Es schreit und giert nach Fett. Fett ist klasse, fett ist das Lebenselixier, das Reserven schafft. Fett ist Überleben!
Die Kunst besteht darin, möglichst viele Kalorien, möglichst leicht mitzunehmen. Das Packvolumen ist sekundär.
Hier ist die Packliste 2004 mit Mahlzeiten und Brennwerttabelle.

Die Routen variierten. Entweder aus Lust, oder auch aus Not wegen einer Verletzung.
So geschah es einmal bei der kurzen Route.
Siehe Google Maps.

Wir bewegten uns nicht nur auf dem berühmten Kungsleden-Trail, sondern gingen immer wieder mal durch weniger bekannte Täler. Dann sind die Brücken und Flussübergänge allerdings weniger oft repariert.



Im Foto unten sind die Lichter ausgefressen und die Tiefen zu dunkel.
Aber es vermittelt einen Eindruck der Atmosphäre im Fjäll.
Im Jahr 2003 war die modernste Digitalkamera eine Olympus mit 1048 Megapixeln. Zum Preis von 1700,- DM. Für heutige Verhältnisse ist das eine irrwitzige Summe. Abgebildet ist der Kaitumjaure.



Besonders im September hat die Natur viel zu bieten.
Viel Natur, aber wenig Mücken, denn es hat sicher zwischendurch gefroren, was die Anzahl der Insekten stark dezimiert.
Schade, dass man vorher nicht weiss was, denn die Möglichkeiten sind vielfältig.
Sonne, Regen, Schnee, Hitze, oder beissende Kälte, alles ist möglich.
Aber wirklich bekannt, ist Lappland für seinen Indian Summer.





Wenn kein Schnee liegt ;)
Wie hier, auf dem Pass zwischen Unna Allakas und der Alesjaurestugorna.



Die gleiche Stelle im Jahr 2008!



Ich gebe zu, dass auch Zwischenstufen die Sache nicht unbedingt besser machen.



Es muss nicht unbedingt Schnee liegen, vereiste Holzbohlen am Morgen, sind wirklich mühsam. Mit über 20Kg auf dem Rücken auszurutschen, ist kein Vergnügen. Das zerrt unheimlich an den Sehnen.



Lasst euch nicht abschrecken, denn unterwegs kann es durchaus gemütlich werden. Bei entsprechender Tourenplanung stehen auf dem Weg Hütten. Die kosten natürlich Geld, wie das so ist. Der Preis lag
2003 und 2004 so bei 35,- €.







Falls das nicht einsam genug ist, weil die Hütten eher selten leer sind, ist es natürlich allen selbst überlassen die Planung anders zu gestalten. Abseits der Trails trifft man kaum einen Menschen und hat wirklich Ruhe. Es könnte allerdings kalt im Zelt werden, was das Aufstehen nicht gerade erleichtert.



Aber wie gesagt, die Natur belohnt uns für die erlittenen Qualen. Doch was bedeuten schon schmerzende Schultern, ein steifer Nacken, quälende Muskeln, angespannte Sehnen und dicke Kniegelenke, wenn der Ruf der Natur ertönt und uns zu lauschigen Wanderungen in freier Wildbahn einlädt?









Das bedeutet z.B. kaputte Füsse ;)





Die ärztliche Versorgung ist ebenfalls für Puristen.
Versucht mal, in solchen Siedlungen einen vernünftigen Arzt zu finden. Samen-Siedlungen wie diese, sind im September verlassen.



Nicht denken, nicht meckern, sondern laufen!
So weit die Füsse tragen. Falls der geschlauchte Körper noch dazu fähig ist das Gleichgewicht auf diesen zu halten. Abgesehen von der Psyche, die unter diesen Bedingungen am besten heruntergedimmt wird.



Fürchtet euch nicht, mich erstaunt immer wieder aufs neue, wie gut sich der Körper nach 11 Stunden Schlaf erholt.
Jedenfalls meistens.





Habe ich jetzt irgend jemanden abgeschreckt?
Gut so, dann wird es nicht so voll im Norden!