A mix between dokumentation and art

Das Bergell - Kunst und Zwiespalt

Ich bin zwiegespalten und kann mir eigentlich kein Urteil erlauben.
Aufgrund der Behandlung, die mir im Hotel in Promontogno widerfuhr, war ich abgereist und hatte an der Finissage nicht teilgenommen. Biennale Bregaglia 2020 war für mich gelaufen. Auf der einen Seite war das Personal in der Beiz in Vicosoprano nicht weniger ignorant als in Promontogno, auf der anderen Seite gab es auch positive Beispiele.
In Coltura ist das Stala. Bistro und Galerie unter einem Dach. Hier wird alles richtig gemacht. Die Gastgeberin ist nett, die Speisen sind sehr gut.
Das Hotel Stüa Granda in Soglio, stellt ebenfalls Kunstwerke aus, wenn auch eher dezent. Einige der Arbeiten, die in der Umgebung integriert waren, gefielen mir auch.
Dennoch habe ich einen Verdacht. Es macht sich das diffuse Gefühl in mir breit, dass hier etwas nicht stimmt. Giacometti, dort geboren, Segantini, der das Bergell als Wahlheimat auswählte und Varlin (Willy Guggenheim), der sich aus Liebe im Bergell ansiedelte, sind klingende Namen. Sicher wird diese künstlerische Tradition auch heute noch aufrecht erhalten. Und auch heute noch, leben und schaffen viele Künstlerinnen und Künstler dort. Aber reicht das? Mich beschleicht der Verdacht, dass das Engagement für die Kunst einem anderen Zweck dient. Nämlich dem Zweck, den schwachbrüstigen Tourismus anzukurbeln. Prinzipiell ist dagegen nichts einzuwenden, aber dann sollt man das richtig tun. Engagement in der Kunst, mit Lustlosigkeit in der Gastronomie zu verbinden, halte ich für einen schweren Fehler. So wird der Eindruck erweckt, dass sich das Tal auf den klingenden Namen der alten Epoche ausruhen will.
Es schmeckt nach Vermarktung, nicht nach Kunst.