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Fazit vorweg

Wattwandern, wenn organisiert, ist eine feine Sache. Powerchillen und lange Spaziergänge am riesigen Sandstrand Amrums auch. Trotzdem war es irgendwie „blutarm“. Es fühlte sich falsch an. Letztendlich waren wir Fremdkörper unter FamilienurlauberInnen und WassersportlerInnen. Lange Fahrradtouren sind sicher auch eine Option. Wenn man mit dem Wind umgehen kann.

Schleswig Holstein 2019

Die Idee war die, dass wir uns schöne Orte ansehen, gut essen und moderate Wanderungen machen.
Zwischen 8 und 15 Km, sollten sie sein. Auch eine kleine Kanutour war geplant.
Die Temperaturen im September laden kaum zum Baden ein, Wind ist ein ständiger Begleiter, Regen häufig. Dafür wird es nicht so überlaufen sein, dachte ich.
Falsch gedacht.

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Büsum war nicht der einzige Ort, der mich stark an das überlaufene Galway erinnerte.
Letztendlich hielt sich der Dichtestress in Grenzen. Der Wunsch nach Einsamkeit wird zwar keineswegs erfüllt, aber die Infrastrukturen der Orte nehmen die Menschenmassen erstaunlich gut auf. Es war niemals wirklich störend und alles lief reibungslos.



- die geplanten Touren, die ich über das Internet, speziell die App Komoot, herausgesucht hatte, hielten weitgehend, was sie versprachen.

- die Kanutour fand nicht statt.
Beim Anbieter, einem Bauernhof, standen zwar Kanus vor der Tür, aber es öffnete niemand. Auch telefonischer Kontakt scheiterte. Eigentlich hätte ich es wissen müssen, denn auf meine Mail gab es schon keine Antwort. Der Kanuservice-Südtondern in Dagebüll stellte sich als Flop heraus. Die Dumont-Zeitschrift »Nordseeküste Schleswig-Holstein«, ist aufgesessen. Leider habe ich dieser Zeitschrift zu sehr vertraut. Wahrscheinlich sind die Kanutouren nicht genug gebucht worden und laufen nur noch nebenher. Wenn man dann, wie wir, mehrere Nächte in der Nähe gebucht hat, dann ist das nicht schön. Wir erkundeten deshalb die Halbinsel Nordstrand mit dem PKW, was wir eigentlich nicht wollten. Die Fischbrötchen bei Kolle’s Fischbistro waren in Ordnung, der Spaziergang auch. Nordstrand an sich, fanden wir eher langweilig.
- Keditkarten
Die Deutschen sind geizig. Es ist also eine Illusion, dass man alles mit Kreditkarte zahlen kann. Es ist besser, sich im Vorfeld darüber zu informieren, ob das ausgesuchte Hotel Kreditkarten akzeptiert.
- Unterkünfte
Die Unterkünfte waren im Westen alle gut. Im Osten steigt das Preisniveau.
An den Wochenenden im September waren sehr viele Unterkünfte ausgebucht!

- Essen und Trinken
Dat is alles weit draussen auf'm Land. Da werden früh die Bürgersteige hochgeklappt.
Das Restaurant in Helgoland schloss um 20:00. In Cuxhaven und Lüttmoorsiel um 21:00.

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Land und Leute

Ich bin in Bremen aufgewachsen. Dort grüsst man sich mit „Moin“.
Die Nordfriesen in Schleswig Holstein sagen „Moin Moin“.
Das sind Plappermäuler.

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Und wer mit Dark Blome auf Amrum Wattwandern war, wird mir zustimmen.
Er selbst übrigens auch. Der Mann redet stundenlang ohne Punkt und Komma.
Fundiert, interessant und unterhaltsam, wie ich zugeben muss.
Viele Nordfriesen nutzen dabei die Gelegenheit, „den Tarif durchzugeben“, damit man gleich weiss, was man zu tun und zu lassen hat. Das ist nicht böse gemeint und eigentlich ganz lustig, aber, wenn man in einem Hotel die Summe X auf den Tisch legt und anschliessend mit der Hausordnung vollgebrabbelt wird, dann nervt das.
Aber die geforderte „preussische Disziplin“ an sich hat durchaus Komik.
Es war auf Helgoland so, wie auf Amrum. Preussischer Drill beim Bäcker. Wer nicht unverzüglich und klar formuliert seine Bestellung ansagt, wird mindestens vorwurfsvoll darauf hingewiesen, nicht allein, sondern am Anfang einer Schlange zu stehen. Es ist keine Zeit und alle anderen warten! Kleingeld muss vernünftig portioniert und abgezählt sein. Krämerei wird mit sofortiger Häme bestraft. Für jedes Kind eine eigene Tüte? Gibt’s nicht! Verwöhnte Gören. Wenn man also die Kinder morgens zum Bäcker schickt, dann werden die gleich eingenordet. Keine „Extrawürste“, Disziplin.
„Rüm hart, klaar Kimig.“
Grosses Herz, klarer Horizont.
Wehe, das klappt beim Bäcker nicht!

Mir gefällt „der Wilde Westen“.
Wind und Wasser sind rauh. Nordsee ist Mordsee. Selbst wenn das Wasser weg ist. Wer beim Wattwandern vom zurückkehrenden Wasser überrascht wird, ist schlicht am Arsch. Im Winter sowieso. Kaltes Wasser ist ein Killer.

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